Hans Martins Bastelseiten

Kleine Kenn­linien­sammlung für Röhren unter beson­deren Betriebs­beding­ungen

Letzte Änderung: 29.4.2026

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Bei Röhren ist ein Blick ins Daten­blatt stets sinnvoll. Hier findet man die Betriebs­daten, die Sockel­belegung, Grenz­werte und Kenn­linien. Für nahezu alle jemals produ­zierten Röhren­typen sind die Daten­blätter zum Beispiel in Franks Daten­blatt­sammlung archiviert.
Manchmal aber möchte man die Röhre anders verwenden, als es die Verfasser des Daten­blatts ange­nommen haben: im Betrieb bei sehr niedrigen Span­nungen, oder wenn Sekundär­elek­tronen entstehen. Auf der vorlie­genden Seite habe ich einige Kenn­linien dieser Art zusammen­gestellt.

Röhrentyp

Art der Kennlinie

Bemerkungen zu den Kennlinien:

  • Ausgangs­kenn­linie: Anoden­strom als Funktion der Anoden­spannung. Gitter­spannung konstant.
  • Transfer­kenn­linie: den Anoden­strom als Funktion der Gitter­spannung. Anoden­spannung konstant.
  • Bei Kenn­linien des Raum­lade­bereichs wurde der Gitter­strom als zweite Linien­schar einge­zeich­net. Die Strom­achse ist stets logarith­misch skaliert.
  • Die Kenn­linien wurden i.d.R. mittels Source-Metern vom Typ Keithley 2400 aufge­nommen und in LabView ausge­wertet.
  • Die Heiz­spannung lag auf dem im Daten­blatt vorge­schrie­benen Wert (sofern nicht anders ange­geben).

EABC80

Triodenkennline

ECC82

Trioden­kenn­linie bei starker Unter­heizung (2,0 V statt 6,3 V)

ECC81, 82, 83, 85

Verstärker-Eigens­chaften im Vergleich

ECC85

Trioden­kenn­linie im Raumlade­bereich

EF183

Kenn­linien in Trioden- und Tetroden­schaltung ("Negadyn")

EF184

Kenn­linien in Trioden- und Tetroden­schaltung ("Negadyn")

EF89

Kenn­linien im Raum­lade­bereich als Triode

EM80

Kenn­linien von Steuer­triode und Leucht­fächer (Strom / Spannung / Sekundär­emission)

EM84

Kenn­linien von Steuer­triode und Leucht­balken (Strom / Spannung / Sekundär­emission)

PCL86

Pentoden­kenn­linie bei niedrigen Betriebs­span­nungen (12 V, 24 V)

EABC80

ECC82


Ausgangs­kenn­linie der ECC 82 im Normal­betrieb.


Heiz­faden-Strom/Spannungs-Kenn­linie (beide Teil­systeme in Reihe geschaltet)


ECC 81, 82, 83, 85

Diese häufig verwen­deten Doppel­trioden­typen werden oft zu allen mögli­chen Zwecken einge­setzt: Röhren­audion, Vorver­stärker, Oszil­lator. Und meistens funktio­niert das auch. Diese Mess­reihen zeigen, dass es zwischen diesen Typen charakte­risti­sche Unter­schiede gibt, und dass für verschie­dene Zwecke unter­schied­liche Arbeits­punkte einge­stellt werden sollten.
Wir setzen die Röhren hier unter gleichen Beding­ungen für eine Verstär­kungs­aufgabe ein, die bei­spiels­weise der Endstufen­treiber in einem Audio­verstärker erfüllen muss: die Erzeu­gung einer hohen, möglichst verzer­rungs­armen Wechsel­spannung zur Aus­steue­rung der Endröhre.
Um es vorweg zu nehmen: möglich ist das mit allen Röhren, doch die Ausle­gung der Schal­tungen sollte für optimale Resul­tate jeweils eine ganz andere sein.

Die Messbedingungen:

1. Die Triode wird über einen Anoden­wider­stand von 47,5 kΩ an eine Span­nung Ub gelegt, die so hoch ist, dass sich an der Anode eine Gleich­spannung Ua,DC von kon­stant 150 V ergibt.
2. Verschie­dene Anoden­ruhe­ströme Ia,DC zwischen 0,5 und 7 mA werden nun einge­stellt. Dazu werden die Gitter­vorspan­nung Ug,DC = −20...−0,2 V und die Betriebs­spannung UB = 150...500 V so regu­liert, dass Beding­ung Nr. 1 weiter­hin erfüllt ist. Für die jewei­ligen Ströme werden nun Verstär­kungsmes­sungen gemacht.
3. Eine sinus­förmige Wechsel­spannung (1 kHz, Ober­wellen­anteil < 1 %) wird zusätz­lich an das Steuer­gitter gelegt. Ihre Ampli­tude wird so einge­stellt, dass an der Anode eine Wechsel­spannung von 50 Vss auftritt.
4. Hieraus werden die Daten des Arbeits­punktes, der Verstär­kungs­faktor, der Klirr­faktor (als relative Amplitude der 2. Harmo­nischen mittels FFT-Analyse) bestimmt und als Funk­tion des Anoden­ruhe­stroms IA aufge­tragen.

Die Betriebs­spannungen Ub der Mess­schal­tung als Funktion des Anoden­ruhe­stroms, für verschie­dene Anoden­wider­stände. Dieser Plot gilt unab­hängig vom Röhrentyp. Er ergibt sich einfach aus dem Ohm­schen Gesetz.

Die negative Gitter­vorspan­nung Ug,DC, bei welcher sich unter den Mess­beding­ungen der gewünschte Anoden­strom IA ergibt. Bei Span­nungen Ug,DC > −1,3 V fließt bereits ein merk­licher Gitter­strom. Die Mes­sreihen wurden beendet, wenn eine Gitter­vorspan­nung Ug,DC > −0,2 V not­wendig geworden wäre.

Die Verstär­kungs­faktoren V als Funktion des Anoden­ruhe­stroms IA. Bei der ECC 83 lag der im nega­tiven Gitter­spannungs­bereich mögliche, maximal erreich­bare Anoden­strom bei 2,5 mA, so dass die Kurve hier endet.

Die Verzer­rungen, die in der Triode entstehen, als Funktion des Anoden­ruhe­stromes IA., bei einer Wechsel­spannungs-Ampli­tude von 50 Vss an der Anode.

Ergebnis: Die höchste Verstär­kung (50-fach) bei nied­rigem Anoden­strom (1,5 mA) und gering­ster Verzer­rung lassen sich mit der ECC 83 erreichen. Dafür ist die Leistungs­abgabe klein, und man muss mit dem Auf­treten von Gitter­strom rechnen. Der Arbeit­spunkt muss präzise einge­stellt werden, sonst neigt die Röhre zu starken Verzer­rungen. Das andere Extrem ist die ECC 82: die Spannungs­verstär­kung ist wesent­lich kleiner, maximal 10-fach. Dafür arbeitet die Röhre voll­kommen ohne Gitter­strom.

Verzerrungs­armer Betrieb ist mit der ECC 82 bevor­zugt bei Anoden­strömen von 3 - 8 mA möglich, und die erziel­bare Leis­tungs­abgabe auch an nieder­ohmige Lasten vergleichs­weise hoch. ECC 81 und 85 liegen in allen Belangen zwischen diesen Extremen. Aber auch hier sind für verzer­rungs­arme Ver­stärker­stufen und hohe Ver­stärkungs­faktoren ein Arbeits­punkt mit relativ hohem Anoden­strom > 3 mA und einer gewissen Tendenz zum Gitter­strom günstig.

ECC85


Bemerkung zum Raum­lade­betrieb:
Sinn­volle Verstärker­eigen­schaften ergeben sich nur auf dem horizon­talen Ast der Ausgangs­kenn­linie, wenn Ia > Ig. Das ist immer dann der Fall, wenn Ua > Ug ist. Der Gitter­strom sinkt zugleich um ca. ein Drittel ab, sobald die Anoden­spannung diese Schwelle über­steigt (Diagramm links oben), weil die Elek­tronen dann plötz­lich am Gitter vorbei­fliegen statt darauf zu landen. Nur bei einer Anoden­spannung, die +/- einige 100 mV an oder über dieser Schwelle liegt, hat die Röhre eine wenn auch kleine Steil­heit (Dia­gramm links unten) und eignet sich als Ver­stärker.
Mit der ECC 85 ist ein Arbeits­bereich mit Ua = −0,4...+0,4 V, Ia = 1...3 µA, Ug = −1....+0,5 V günstig. Die Steil­heit liegt bei 100 µA/V.

EF183

Die Trioden­kennlinie (Ausgangs­kenn­linie). Die EF 183 kann als Triode genutzt werden, indem man Schirm- und Brems­gitter an die Anode legt.

Die Trans­fer­kenn­linie der EF 183 als Triode.

Die Tetroden­kennlinie (Ausgangs­kenn­linie): das Brems­gitter der EF 183 ist hier mit dem Schirm­gitter verbunden und liegt auf dessen hohem Poten­tial. Die Anoden­strom­kenn­linie hat aufgrund der Sekundär­emission einen Abschnitt mit nega­tiver Stei­gung und nega­tivem differen­tiellen Innen­wider­stand (s. Bem.); Steuer­gitter­spannung: −6 Volt.

Der Schirm­gitter+Brems­gitter-Strom als Funktion der Anoden­spannung.
Bem.: Der Kenn­linien­verlauf kann deut­lichen Exemplar­schwan­kungen unter­liegen, da die Sekundär­emission von Form und Beschaf­fenheit der Anode abhängt.

EF184

Die Trioden­kennlinie (Ausgangs­kenn­linie). Die EF 184 kann als Triode genutzt werden, indem man Schirm- und Brems­gitter an die Anode legt.

Die Trans­ferkenn­linie der EF 184 als Triode.

Die Tetroden­kenn­linie (Aus­gangs­kenn­linie): das Brems­gitter der EF 184 ist hier mit dem Schirm­gitter verbunden und liegt auf dessen hohem Poten­tial. Die Anoden­strom­kenn­linie hat aufgrund der Sekundär­emis­sion einen Abschnitt mit nega­tiver Stei­gung und nega­tivem differen­tiellen Innen­wider­stand (s. Bem.); Steuer­gitter­spannung: −2,5 Volt.

Der Schirm­gitter+Brems­gitter-Strom als Funk­tion der Anoden­spannung.
Bem.: Der Kenn­linien­verlauf kann deut­lichen Exemplar­schwan­kungen unter­liegen, da die Sekundär­emission von Form und Beschaf­fen­heit der Anode abhängt.

EF89

Die Kenn­linen beziehen sich aus­schließ­lich auf den Raum­lade­bereich, also auf Gitter- und Anoden­span­nungen, die beide zwischen -1,25 und 0 V liegen. Es gilt hier das gleiche, das schon für die ECC 85 gesagt wurde.

Wenn man die Röhre wie in diesem LW-Audion mit 0 Volt Anoden-Betriebs­spannung betrei­ben möchte, dann ist es günstig, den Gitter-Vor­wider­stand so zu wählen, dass am Gitter -0,1 V bis -0,25 V Anlauf­spannung ent­stehen. Der Anoden­strom ist dann ca. 30 bis 200 µA.

EM80

Triodenkennlinie EM 80. Der Leuchtschirm ist nicht beschaltet.

Die Transferkennlinie. Die Triode der EM 80 kommt mit 30 kΩ Innenwiderstand und 1,2 mA/V Steilheit (bei Ua > 100 V) an eine ECC 83 oder EABC 80 heran. μ ist 36.


Messschaltung zur Aufnahme der Kennlinie des Leuchtfächers

Messung der Kenn­linie des Leucht­fächers der EM 80:
- Der Anoden­anschluss der Triode, der intern mit den Steuer­stegen des Leucht­systems verschal­tet ist, wird als Steuer­elektrode genutzt. Der Leucht­schirm ist hierbei die Anode.
- Alle Span­nungen werden im Bereich 0...200 V variiert.
- Leucht­schirm­strom (IL) und Steuer­steg­strom (IA) werden gemessen.
- Das Steuer­gitter der Triode wird auf −20 V gelegt, damit die Triode voll­ständig gesperrt ist und kein Anoden­strom fließt.

EM84

Trioden­kenn­linie EM 84. Der Leucht­schirm ist nicht beschal­tet.

Transfer­kenn­linie der EM 84-Triode. Innen­wider­stand: 80 kΩ, Steil­heit: 0,25 mA/V, μ = 20. Sie schafft nicht ganz so viel wie die EM 80.

Die ungewöhn­lichen, teilweise abfal­lenden Kenn­linien der Leucht­systeme der Abstimm­anzeige­röhren bzw. Magischen Augen EM 80 und EM 84 resul­tieren vermut­lich aus der Emission von Sekundär­elek­tronen aus dem Steuer­steg. Diese entstehen, wenn Elek­tronen von der Kathode hier mit genügend hoher Energie auf­treffen. Sofern die Sekundär­elek­tronen zum Leucht­schirm driften und nicht wieder vom Steuer­steg absor­biert werden, redu­ziert sich der Steg­strom um den ent­sprechen­den Betrag. Bei der EM 80 wird der Steg­strom teil­weise sogar negativ. Das Phäno­men hängt mög­licher­weise stark vom Einzel­exemplar ab.

Messung der Kenn­linie des Leucht­balkens der EM 84:
- Der Anoden­anschluß der Ver­stärker­triode ist intern nicht mit den Steuer­stegen des Leucht­systems verbunden, wie bei der EM 80. Daher entfällt die Notwen­digkeit, das Steuer­gitter bei der Kenn­linien­messung negativ zu polari­sieren.
- Alle Span­nungen werden im Bereich 0...200 V variiert.
- Leucht­schirm­strom (IL) und Steuer­steg­strom (ID) werden gemessen.

PCL86

Hans Martin Sauer 2016-2026