Hans Martins Bastelseiten

Meine kleine Röhrengalerie
Die letzte Änderung an dieser Seite: 21.9.2017

Ein Blick ins Innere der Röhre

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Die üblichen Verdächtigen des Radiobastelns (v.l.): EABC 80, 6AV6 (=EBC91) und EBF 89. Diese Mehrsystem- oder Verbundröhren kamen ab ca. 1950 bis zum Ende der Röhren-Ära in praktisch jedem Radio vor. Sie vereinigten platzsparend eine Verstärkertiode oder -pentode und die verschiedenen Dioden, die im AM- und FM-Demodulator des Radios benötigt wurden.

PCF82 u.a.

Die PC 88 ist eine UHF-Triode aus dem TV-Tuner. Die EF 89 ist im ZF-Verstärker zu Hause. Die PCF 82 sorgte im TV-Gerät fürs rechte, vor allem stabile Bild.

Ärgerlich ist immer, wenn die Beschriftung vom Glaskolben ab ist. Woher weiß man denn dann, was das für eine Röhre ist, möchten Sie wissen ? Eine gute Frage. Mit einem Kinderstempelkasten und ein bisschen Farbe läßt sich, falls man es herausbekommen hat, das Malheur wieder richten. Röhren haben den Vorteil, dass viel Platz darauf ist, mehr als bei Halbleitern.

Dies war einmal eine ganz frühe Röhrentype aus den 1920ern, RENS xxx, direkt geheizt, Bakelittsockel, Birnenform, Gitteranschluß über den Kontakt oben auf dem Glaskolben. Leider ist die Heizung durchgebrannt, den genauen Röhrentyp weiß ich nicht.

Ein Unikat: Eine Doppeltriode ECC 3x (wobei x für eine nicht mehr lesbare Ziffer steht). Normalerweise hat diese Röhre einem Oktalsockel. Ein Radiobastler hat sie wohl, als Röhren nach dem Krieg knapp waren, als Ersatzteil für sein Radio auf einen Stahlröhrenockel verpflanzt. Der Gitteranschluß oben auf dem Glaskolben ist über Klingeldraht in den Sockel geführt. Der Glaskolben ist innen metallisiert, zur elektrischen Abschirmung des Röhrensystems. (Höhe etwa 10 cm).


Eine Stahlkolbenröhre vom Typ 1619, eine direkt geheizte Leistungspentode. Sie wurde meist für die mobile Telegrafie, z.B. Morsesender, genutzt. Ganz unwillkürlich musste ich an Agenten und Spione denken, die heimlich und unter Todesverachtung bei Nacht und Kerzenschein heikle Staatsgeheimnisse durch den Äther an ein anonymes Hauptquartier funken. Nach dem Aufsägen des Kolbens (die Röhre war ohnhin hinüber) konnte ich die Konstruktion näher untersuchen: Unter dem schwarzen Anodenblech kommen das Drahtgeflecht von


Schirm- und Steuergitter zum Vorschein. Eine Zyankali-Pille war aber nicht drin.

Magischer Balken EM 84

Ein "magischer Balken", eine Abstimmanzeigeröhre, vom Typ EM 84 in "SQ"-Ausführung (special quality, für extra hohe Lebensdauer), von der Firma Ultron vertrieben. Da hat man nicht zuviel versprochen. Wie wir sehen, funktioniert sie noch immer. Auffällig: kein metallischer Getterspiegel am Röhrendom.

Noch mehr Bilder von Abstimmanzeigeröhren finden Sie unter

Forrest Cook's Magic Eye Pages

Magic Eye Tubes

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Die DY 86 diente als Strahlstromgleichrichter in Röhrenfarbfernsehern. Bis 18 kV Sperrspannung hält sie aus! Ihre Heizung wurde zumeist direkt über eine spezielle Wicklung aus dem Zeilentransformator gespeist.

Eine Doppelweg-Gleichrichterröhre 5V4 für Netzteile von Röhrengeräten. Sonderanfertigung von des Herstellers Sylvania für die Firma Heathkit, die vor Jahrzehnten viele Bausätze für den Elektronikbastler auf den Markt gebracht hat. Diese hier arbeitet noch heute in einem der Netzgeräte in meinem Labor.


Ein Glimmstabilisator 85A2. Die Glimmentladung sorgt für eine belastungsunabhängige Spannung von (nominell) 85 V. Nein, hier glüht das Innere nicht! Es ist die Glimmhaut der Gasentladung, die die großflächige Kathode vollständig überzieht.


Eine Quecksilberdampflampe, Typ TH5000, aus einer Druckplattenbelichtungsanlage. Diese Röhren, es sind extrem starke UV-Lampen, wurden und werden in Druckereien bei der fotochemischen Herstellung von Offset-Druckplatten verwendet, zur Aushärtung des Fotolacks. Zum Basteln eher weniger geeignet...


An diesen gängigen Doppeltrioden kommt kein Röhrenbastler vorbei. Von links: Eine ECC 81 von Valvo ( = Philips-Röhrenwerk in Aachen) auch wenn ITT Schaub-Lorentz daraufsteht. Universell für NF-Verstärker und Radios geeignet. Die ECC 82 und 83 aus dem volkseigenen Erfurter Röhrenwerk, RFT. Die ECC 82 ist für niederohmige Lasten gedacht, z.B. für breitbandige Kommunikationsaufgaben bis in den hohen MHz-Bereich. Die ECC 83 eignet sich eher für rauscharme Tonfrequenz-Verstärker. Die ECC 85 (hier von Telefunken) wurde meistens im UKW-Tuner eingesetzt. Man erkennt sie am Schirmblech zwischen den beiden Triodensystemen.
Höchste Fertigungspräzision erforderte die PCC 88 (ganz rechts), eine rauscharme Spanngitterröhre für den VHF-Tuner. Der Abstand zwischen dem Steuergitter und der fast 800 Grad heißen Kathodenoberfläche beträgt nur 40 µm!


Drei EF 86. Die beiden rechts sind von Telefunken. Die Linke ist dagegen aus neuerer russischer Produktion. Mit diesen rauscharmen, äußerst linearen Pentoden erreicht man im Tonfrequenz-Vorverstärker eine enorm hohe, verzerrungsarme Verstärkung. Garantierten wie schon Herr Karajan, quasi Zeitgenossen und Wegbereiter der hochwertigen Musikkonserve, im Pantoffeltheater von Pianissimo bis Fortissimo ein mehr als zufriedenstellendes Klangerlebnis.


Zwei gängige TV-Röhren: PCL 86 und PCL 805. Sie enthalten beide eine Triode und eine Leistungspentode, sind im Detail aber sehr verschieden.
Die PCL 86 war für den Audioverstärker des Fernsehers gedacht. Die brummsicher abgeschirmte Triode als NF-Vorverstärker, die Pentode als Endstufe. Das Duo entspricht nahezu einer Kombination aus einer Triode der ECC 83 und der EL 84, die sich über Jahrzehnte in Radios bewährt haben. Nur eben als platz- und kostensparende Verbundröhre. Aus gutem Grund beim Bastler sehr beliebt.
Dagegen ist die PCL 805 für die Vertikalablenkung des Elektronenstrahls der TV-Bildröhre gedacht. Brumm- und Verzerrungsarmut interessieren hier wenig. Die Pentode muss hohe Impulsströme von bis zu 250 mA für die Ablenkspulen schalten. Auch die Triode - so klein sie hinter der Pentode aussieht - ist ein Kraftprotz, sofern man ihre Schaltung optimal auslegt: Impulse (wenn auch nur sehr kurze) bis 200 mA sind damit möglich !


Die 6SJ7 (von General Electric) und die 6V6 (hier in GT="glass tube" Ausführung, aus osteuropäischer Produktion) sind amerikanische Entwicklungen, mit dem typischen, ziemlich globigen Oktalsockel, Vorstufen- und Endstufenpentode. Ursprünglich mit Stahl- statt mit Glaskolben versehen, waren sie für den robusten, bruchsicheren Einsatz in den Autoradios der 1930er und 40er Jahre gedacht.

 

Unitron Rechenschieber
Mit einem Rechenschieber umzugehen habe ich noch in der Schule gelernt. Dieser Unitron ist aber etwas Besonderes: er wurde extra für Radio-/Fernsehtechniker und -bastler entwickelt. Mit ihm lassen sich unmittelbar Schwingkreise und Wechselstromimpedanzen von Spulen und Kondensatoren berechnen. Sehr nützlich, wenn man Röhrenradios, Audions und Oszillatoren bauen möchte.

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Unitron, Detail
Mit dem Unitron kommt man schneller zum Ergebnis als mit einem digitalen Taschenrechner. Man gibt die Zahlen nicht umständlich über eine Tastatur ein, sondern braucht nur Zunge und Läufer zu verschieben. Ähnlich wie wenn man mit dem Finger auf dem I-Phone-Display im Internet surft.

Wie Röhren innen aufgebaut sind:


Zwei Trioden vom Typ PC88 und PC900, sowie eine russische 6Z1P, die z.B. in Radargeräten zur Signalverarbeitung eingesetzt wurde. Diese Röhren arbeiten normalerweise bei höchsten Frequenzen zwischen 150 und 960 MHz. Sie müssen nicht nur von außen gesehen eine kleine Bauform haben (die PC900 ist mit Stiften und Kappe gerade einmal 4 cm hoch), sondern sind auch im Innern raffinierte, hochpräzise Konstruktionen. Das zeigt schon ein genauerer Blick mit Lupe oder Makroobjektiv.


Die PC88 ist wie eine Scheibentriode aufgebaut: Das Steuergitter, das aus wenige Mikrometer-dünnem, feinmaschigen Draht gewebt ist, wird von einem Spannrahmen aus zwei Stäben gehalten. Das Gitter ist wie bei einem Sandwich ganz eng zwischen der planaren Kathode und der Anode eingebettet. Das garantiert kürzeste Elektronenlaufzeiten und eine extrem hohe Steilheit.



Ich habe es gerade eben noch geschafft, den Spalt zwischen Gitter und Anode mit der Kamera sichtbar zu machen.



Ist die PC900 noch eine Triode ? Wie die PC88 hat sie ein Spanngitter, das aber zu beiden Seiten jeweils einer Anodenplatte gegenübersteht. Das sind die grau-silbernen Metallklötzchen, die links auf dem Foto zu sehen sind. Diese Anodenbacken hat man zusätzlich mit einer Lochblende abgedeckt, die die Elektronen, wenn sie von der Kathode kommen, passieren müssen. Die Lochblende liegt im Betrieb normalerweise nahe am Kathodenpotential. Sie reduziert die kapazitive Rückwirkung und fokussiert die Elektronen auf die Anode. Die Spezifikation sieht sogar vor, hier ein Neutralisatonssignal einzuspeisen, um Eigenschwingungen der Verstärkerstufe zu unterbinden.

Rechts ein Blick auf das Pentodensystem einer PCF 82 der Firma Tesla. Es ist eine Verbundröhre, die neben einer recht steilen Pentode noch eine Triode enthält. Die PCF 82 ist im Unterschied zu den oben gezeigten Trioden keine Spanngitterröhre. Steuer- und Schirmgitter sind ganz normal aus Metalldraht geschweißt, wie bei gewöhnlichen Radioröhren auch. Ein Bremsgitter jedoch sucht man vergeblich. Dieses ist auf einen Blechrahmen reduziert, der zwischen Schirmgitter und Anode angebracht ist. Dies ist hier dank der großen Aussparung im Anodenblech gut zu erkennen. Man spricht hier manchmal von einer Beam-Power-Tetrode.

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(C) Hans Martin Sauer 2016-17, Alle Rechte vorbehalten